Meshtastic vs. Meshcore: Kommunikation, wenn nichts mehr geht
Meshtastic und Meshcore im Vergleich
Meshtastic und Meshcore verfolgen im Kern das gleiche Ziel, setzen es jedoch unterschiedlich um. Beide spannen mittels LoRa-Funk ein Mesh-Netzwerk auf, über das primär Textnachrichten übertragen werden. Voraussetzung ist jeweils ein sogenannter Node, der meist per Bluetooth mit einem Smartphone gekoppelt wird.
Für Privatpersonen empfiehlt es sich zunächst, die Netzabdeckung vor Ort zu prüfen. Die Online-Karten von Meshtastic und Meshcore bieten hierfür eine erste Orientierung. Dort lässt sich auch einsehen, welche Voreinstellungen andere Nutzer in der Region gewählt haben. Besteht bereits Empfang zu einem Meshcore-Repeater, ist Meshcore für viele Privatanwender eine naheliegende Wahl. Die App ist bewusst einfach gehalten, und durch bis zu 68 Hops lassen sich größere Distanzen überbrücken als bei Meshtastic, das auf maximal sieben Hops ausgelegt ist.
Wer über reine Textkommunikation hinausgehen möchte, findet bei Meshtastic deutlich umfangreichere Erweiterungs- und Integrationsmöglichkeiten. Sowohl Meshcore als auch Meshtastic können zudem für Feuerwehren und Hilfsorganisationen einen Mehrwert bieten. Im Folgenden ein praxisnaher Blick auf beide Systeme.
Meshcore – Der einfache Einstieg für Feuerwehren
Meshcore stellt neben der Companion-App (Client) auch eine Repeater-Firmware sowie eine Room-Server-Variante bereit. Für einen strukturierten Einstieg empfiehlt es sich, alle drei Komponenten einzuplanen.
- Companion-Nodes dienen zum Senden und Empfangen von Nachrichten.
- Eigene Repeater sollten durch die Organisation selbst betrieben oder vorgehalten werden, um die Verfügbarkeit im Einsatzfall sicherzustellen. Je nach topografischen Gegebenheiten kann mehr als ein Standort erforderlich sein.
- Room-Server lassen sich so konfigurieren, dass Inhalte öffentlich lesbar sind und beispielsweise als digitales „Schwarzes Brett“ fungieren.
Gerade bei Infrastrukturausfällen eröffnet Meshcore der Feuerwehr zusätzliche Möglichkeiten der Bürgerinformation, Helferkommunikation und Notrufabsetzung.
Meshtastic – Wenn es etwas mehr sein soll
Auch Meshtastic kann die grundlegenden Kommunikationsaufgaben von Meshcore abbilden. Für Meshcore sprechen die einfachere App sowie die klare Trennung zwischen Client und Repeater.
Meshtastic spielt seine Stärken aus, wenn nicht nur einzelne Nodes, sondern ein größeres, eigenständiges Mesh-Netz geplant wird. Üblicherweise nutzt man die voreingestellten Frequenzen, um Teil des bestehenden Netzes zu sein und Reichweite durch viele Teilnehmer zu gewinnen. Im Einsatzszenario kann genau das jedoch zum Nachteil werden: Hohe Auslastung kann dazu führen, dass wichtige Nachrichten trotz robustem Protokoll im Datenaufkommen untergehen.
Beim Aufbau eines eigenen Einsatz-Mesh kann es daher sinnvoll sein, abweichende Frequenzen zu konfigurieren.
Im Gegensatz zu Meshcore arbeitet Meshtastic mit einer einheitlichen Firmware, bei der grundsätzlich jeder Node auch als Repeater fungiert. Dennoch kann es sinnvoll sein, bestimmte Geräte gezielt als Infrastruktur-Nodes zu planen. Auch hier entscheiden die örtlichen Gegebenheiten.
Integration, Tracking und Sensorik
Über MQTT lässt sich ein Meshtastic-Node in bestehende IT-Infrastrukturen integrieren und von Leitstellen- oder Arbeitsplatzsystemen aus bedienen. Selbst entfernte Standorte, etwa Krankenhäuser ohne direkten Funkkontakt, können so angebunden werden.
Mit optionalem GPS-Modul stehen umfangreiche Funktionen zur Positionsübertragung bereit. Daraus ergeben sich vielfältige Einsatzmöglichkeiten:
- Helfer-Tracking bei Sanitätsdiensten
- Lageübersicht bei MANV-Szenarien
- Erweiterung von Patientenanhängekarten um Positionsdaten
- Zusätzliche Alarmierungswege
In Verbindung mit Systemen wie Home Assistant lassen sich eingehende Alarmierungen sogar für Gebäudeautomationen nutzen, etwa zur Lichtsteuerung.
Die serielle Schnittstelle eröffnet darüber hinaus zahlreiche Bastel- und Profi-Anwendungen. In Kombination mit Mikrocontrollern, Sensoren, Akkus und Solartechnik lassen sich autonome Wetterstationen, Umweltmesspunkte oder Überwachungslösungen für Feuerwehrhäuser realisieren.
Meshtastic Web
Meshtastic Web ist ein kleiner Docker-Container, der lokal betrieben werden kann und zur Bedienung von Meshtastic-Nodes über den Browser dient. So lassen sich nicht nur Nachrichten versenden, sondern auch Nodes aus der Ferne warten und konfigurieren.
Fazit:
Meshcore punktet durch Einfachheit und klare Rollenverteilung, während Meshtastic seine Stärken bei Skalierung, Integration und Funktionsvielfalt ausspielt. Im Einsatzfall kann eine Kombination sinnvoll sein: Meshcore für die zivile Bevölkerung, Meshtastic für die interne Kommunikation.