Meshtastic in der Gemeinde am Mellensee

Meshtastic in der Gemeinde am Mellensee
Bild: https://www.gemeinde-am-mellensee.de/

Ein Vorreiter beim praktischen Einsatz von Meshtastic ist die Gemeinde am Mellensee im Landkreis Teltow-Fläming in Brandenburg.

Leider sind nur wenige Details öffentlich bekannt. Aus verfügbaren Informationen geht jedoch hervor, dass es in der Gemeinde mehrere Anlaufstellen für den Katastrophenfall gibt, sogenannte Leuchttürme.

Im Einsatzfall erhält jeder dieser Leuchttürme von der Feuerwehr ein Meshtastic-Gerät. Dadurch kann vom jeweiligen Standort aus Kontakt zur Feuerwehr aufgenommen werden, beispielsweise um Hilfe anzufordern oder allgemeine Informationen zur Lage weiterzugeben.

Wenn die Geräte nicht im Einsatz sind, kümmert sich die Freiwillige Feuerwehr um Wartung und Pflege.

Meine Kritik

Meine Kritik basiert zwangsläufig auf einigen Annahmen, da mir detaillierte Informationen zum Projekt fehlen. Auf der offiziellen Meshtastic-Karte konnte ich jedoch keine Router in der Gemeinde am Mellensee finden. Daher gehe ich davon aus, dass vor Ort ein eigenes, separates Mesh-Netzwerk aufgebaut wurde.

Das hätte zur Folge, dass Privatpersonen mit eigenen Meshtastic-Geräten nicht direkt in dieses Netzwerk eingebunden sind. In einer Notlage müssten sie also weiterhin einen der Leuchttürme aufsuchen, anstatt direkt über ihr eigenes Gerät Hilfe rufen zu können.

Ein weiterer Kritikpunkt ist der relativ späte Einsatz der Geräte. Die Leuchttürme sind nicht dauerhaft besetzt, sondern werden erst bei größeren Schadenslagen eingerichtet. Zusätzlich müssen die Geräte zunächst von der Feuerwehr verteilt werden. Dadurch besteht die Gefahr, dass sie außerhalb von Übungen kaum genutzt werden. Einerseits ist das natürlich ein gutes Zeichen, da große Schadenslagen selten auftreten. Andererseits stellt sich die Frage, ob man die Geräte nicht auch im Alltag sinnvoll einsetzen könnte.

Außerdem muss man sich fragen, ob Meshtastic in diesem konkreten Szenario tatsächlich die beste Lösung ist. Für die direkte Kommunikation würde ich persönlich eher eine klassische Sprechfunkverbindung bevorzugen.

Es ist nachvollziehbar, Meshtastic als zusätzliches Notfall-Backup zu betrachten, falls der reguläre Funk ausfällt. Allerdings funktioniert der BOS-Funk in der Praxis sehr zuverlässig. Dass sowohl BOS-Funk als auch Mobilfunk gleichzeitig ausfallen, ist eher selten. Sollte dieser Fall dennoch eintreten, würde ich zunächst andere Maßnahmen priorisieren.

Beispielsweise könnte man prüfen, wie gut der BOS-Funk vor Ort funktioniert, und sicherstellen, dass die Funkstationen über eine zuverlässige Notstromversorgung verfügen. Ebenso wäre es sinnvoll, dass die Stationen im Notfall einen lokalen Betrieb auch ohne Netzanbindung aufrechterhalten können.

Darüber hinaus engagieren sich vielerorts Amateurfunker im Bereich Notfunk. Diese könnten ebenfalls eine wichtige Rolle spielen, etwa bei der Besetzung eines Leuchtturms oder beim Aufbau zusätzlicher Kommunikationsmöglichkeiten.

Fazit

Ich freue mich, dass die Gemeinde am Mellensee Meshtastic bereits in ihre Planungen einbezieht und entsprechende Geräte angeschafft wurden.

Den Kameraden vor Ort wünsche ich viel Erfolg beim Ausprobieren und Sammeln von Erfahrungen. Ich hoffe, dass in Zukunft mehr Informationen über das Projekt veröffentlicht werden. Ebenso hoffe ich, mit meinem eigenen Projekt weitere Ideen und mögliche Einsatzszenarien für Meshtastic beitragen zu können.